Pädagogische Kolumne

Emotionale Intelligenz

Wer Erfolg im Leben haben will, muss klug mit seinen Gefühlen umgehen können und das „emotionale Alphabet“ beherrschen.

„EQ statt IQ“

heißt die Erfolgsformel, die Daniel Goleman (geb. 1946 in Kalifornien, Prof. der Psychologie in Harvard und Neurowissenschaftler) in seinem Buch über emotionale Intelligenz weitergibt.

In seinem internationalen Bestseller zeigt Goleman spannende Forschungsperspektiven auf, die uns auch im Elementarbereich beschäftigen. Gerade im Kindergarten erlebe ich immer wieder, dass die emotionale Welt eines Kindergartenkindes eine komplexe Skala zwischen Angst und Wut, Liebe und Aggression, Verzweiflung und Freude ist.

In unseren Morgenkreisen, Stuhlkreisen und allen spontan-verbalen Begegnungen mit den Kindern üben wir Gefühle in Worte zu fassen und in Beziehung zu unserem Leben zu setzen. Deshalb ist uns neben kognitiver Wissensvermittlung ebenso diejenige Intelligenz wichtig, die sich in unserem Verständnis und unserer Handhabung menschlicher Gefühle zeigt.

Beide Systeme, das rationale und das emotionale, sind in einer dauernden Wechselwirkung voneinander abhängig. Für Goleman ist die Botschaft klar: Ohne ein intaktes Gefühlsleben taugt die beste Intelligenz nichts – oder wie er es ausdrückt:

„Was nützt ein hoher IQ, wenn man ein emotionaler Trottel ist.“

Fördern sie beides bei Ihrem Kind, Herz und Verstand! Nehmen sie ein gemeinsames Essen mit der Familie oder die Zu-Bett-Geh-Zeit doch einmal zum Anlass um sich gegenseitig zu erzählen, was heute glücklich gemacht hat und auch warum. Ebenfalls kann die Frage, was heute alles gelernt wurde, neu entdeckt oder herausgefunden wurde, spannend sein. Teilen sie sich gegenseitig mit, wie es jedem geht oder welche Erwartungen man an den kommenden Tag hat.

Viel Spaß dabei!

Buchtip:    Daniel Goleman
Emotionale Intelligenz
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN 3-423-36020-8
16.90€


Wussten Sie woher das Verb „veräppeln“ kommt?

Das wusste ich auch nicht, bis ein Junge aus unserem Kindergarten mit mir zusammen am Frühstückstisch gesessen hat und seine Brotdose öffnete und voll Entsetzen  feststellte, dass seine Mutter ihm keine Äpfel mitgegeben hat.

Seine Verwunderung darüber äußerte er folgendermaßen:

„Meine Mama hat mich veräppelt!“

Sofort fing ich an zu lachen und guckte in verwunderte Gesichter. Wir ergründeten zusammen, woher das Wort: „veräppeln“ kommt und was für eine Bedeutung es hat. Leider ist der Ursprung nicht genau geklärt. Es kann aus dem niederdeutschen Wort Appel entstammen, das unserem heutigen „Apfel“ ähnelt.

Was wir jedoch gelernt haben: Dass es in unserer Sprache viele Worte mit doppeldeutiger Bedeutung gibt und wir uns gar nicht über deren Bedeutung bewusst sind. Gemeinsam leben – gemeinsame Sprachbildung!


Gefühle sehen

Heute betrat ich das Atelier einer Gruppe. Ich wollte mir eine Kinderschere ausleihen.
Im Raum saßen 2 Kinder und malten an einem Gemeinschaftsbild. Dachte ich! War aber nicht so. Beim Verlassen des Raumes bekam ich, sehr höflich, die Bitte zu hören:

„Mach bitte die Tür zu. Wir wollen nicht, dass andere unsere Gefühle sehen.“ „Mach ich“

sagte ich automatisch, denn wir nehmen uns hier alle in unseren Bedürfnissen ernst und handeln entsprechend. Als ich draußen war hallte der Satz „Wir wollen nicht, dass andere unsere Gefühle sehen“ nach und ich kehrte um. Auf die Frage warum andere die Gefühle nicht sehen sollen, bekam ich eine sehr schlüssige Antwort:

„Also, wir malen ein Tagebuch.“ Da sah ich genau hin und stellte fest, dass die Gemeinschaftsarbeit 2 einzelne Blätter waren, die mit grünem Klebeband zu einer Doppelseite zusammen geklebt worden sind.

„Ein Tagebuch, da schreibt man rein, was man über Freunde denkt!“ „Ja genau, und das sind Gefühle.“ „Wir wollen nicht, dass andere das sehen, nur wir.“ Nach etwas überlegen wurde dann noch ein anderes Kind genannt, was so nahe ist, dass es die „Gefühle sehen darf“.

Die Bildung der emotionalen und sozialen Intelligenz ist ein wesentlicher Aspekt in unserer pädagogischen Arbeit. Wie differenziert hier über Gefühle nachgedacht und gesprochen wurde, welche Wertigkeit ihnen entgegen gebracht wurde, welchen Schutzraum die Kinder diesen sensiblen Wahrnehmungen geschaffen haben, hat mich innehalten lassen. Und es macht mir Mut. Mut in einer Zeit, in der zwischen der Zunahme an Belastungsstörungen, dabei spielen Gefühle eine enorme Rolle, und dem rücksichtslosen Umgang mit Gefühlen, z.B. in Hasskampagnen im Internet oder totaler Selbstdarstellung, das Thema
emotionale- und soziale Intelligenz an Bedeutung gewinnt.


Mit dem Schiff nach Syrien

Dass Kinder viel mehr von dem mit bekommen was um sie herum geschieht, was gesprochen oder wie gehandelt wird, wird jedem schnell klar, der genau hinschaut und hinhört. Wenn Kinder die Möglichkeit haben, sich ästhetisch, also wahrnehmend, zu bilden, liefern sie für die so wahrgenommenen Lebensthemen mitunter erstaunliche Lösungsvorschläge.

Unser Schiff auf der Wiese dient meistens als Spielort für laute, wilde Piraten. Manch ein Hai schwamm schon nebenher. Geht es einmal ruhiger zu, fährt man darauf in den Urlaub, auch schon mal mit dem Aida-Programm. Neulich spielten 2 Kinder auf dem Schiff und als ich dazu kam wurde ich informiert: „So, wir fahren diesmal nicht in Urlaub!“ „Mmh, wo fahrt ihr denn hin?“ „Nach Syrien!“ „Was wollt ihr denn da machen?“ „Da ist Krieg. Da fahren wir hin.“ Aha, dachte ich, dass ist jetzt ein Gespräch dass man nicht „mal eben“ führt und das besonderer Aufmerksamkeit bedarf.

Spiel ist ein wichtiger Verarbeitungsprozess für alles Erlebte, gerade auch für Beängstigendes und Schreckliches. Wichtig ist es, die Kinder spielen zu lassen, sie beobachtend zu begleiten, ihnen Freiraum zu geben, die Richtung und das Tempo bestimmen zu lassen. Diese Beiden entwickelten recht schnell eine sehr logische Spielidee dazu, was sie denn in Syrien wollten: Sie brachten Musik und Tänze mit im Schiff, und zwar sehr viele. Aber vorher würden die Waffen noch in den Papierkorb gesteckt. „Ja, genau so machen wir es!“ Darin waren sich beide ganz einig.

Jetzt kann man darüber schmunzeln. Man kann denken: „Ach, wenn es doch so einfach wäre!“ Aber ist es nicht so, dass Musik, Tanz und Kunst die Welt schon so oft verbunden hat? Dass Brücken gebaut werden konnten und dass die Künste das sind, was uns von der Geburt bis zum Tod begleitet? Ein immer noch beeindruckender Film zu diesem Thema: RHYTHM IS IT! Wir verleihen ihn gerne.


Interkulturelle Kompetenzen

Interkulturelle Kompetenz ist die Fähigkeit, mit anderen Personen aus anderen Kulturen akzeptierend und wertschätzend zu kommunizieren, zu kooperieren und zusammen zu leben.

In unserer Einrichtung treffen wir jeden Tag auf Menschen mit anderen Sprachen, anderen Werten oder Glauben. Es finden viele unterschiedliche Begegnungen und Prozesse statt.
Wir, „die Mappentageskinder“ haben uns in den letzten Wochen mit den Themen Sprache und Essen auseinander gesetzt. Wir suchen Begriffe und Wörter in anderen Sprachen für unser abwechslungsreiches Essen.

Somit wissen wir jetzt, was Tomate, Apfel, Schokolade, Banane, Salat usw. auf Griechisch und teilweise Englisch heißt.  Wir stellen fest, dass es viele Begriffe gibt, die sich sehr ähnlich anhören und wir uns somit die Begriffe besser merken können.

Wir machen die Erfahrung, dass das „Fremde“ uns keine Angst macht und dass der Erwerb von Wissen über fremde Kulturen sehr spannend, interessant, aber auch lustig sein kann.

Und, sind sie neugierig geworden?
Fragen Sie mal Ihre Kinder!